Start der Grundlagenerfassung des historischen Verkehrsweges LAHN in Rheinland-Pfalz von Diez bis Lahnstein

Erfassung der Lahnschleusen und der Lahntalbahn

Nicht nur der Rhein, auch seine Nebenflüsse spielten als Verkehrswege stets eine wichtige Rolle und wurden seit dem 19. Jahrhundert für den Schiffsverkehr ausgebaut. Im April 2021 startete der Fachbereich Inventarisation der Direktion Landesdenkmalpflege mit der Grundlagenerfassung des historischen Verkehrsweges LAHN in Rheinland-Pfalz von Diez bis Lahnstein ein neues Projekt, das unsere Kenntnisse um den erhaltenen Baubestand der Wasserstraße in der historischen Kulturlandschaft erweitern wird.

Schwerpunkte der geplanten Erfassung stellen die verschiedenen historischen Ausbauphasen der Lahn vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts dar, die im Rahmen der Grundlagenermittlung umfassend untersucht und dokumentiert werden sollen. Ziel ist es, auf der Basis der Untersuchungsergebnisse die erhaltenen historischen Anlagen der Lahnschleusen und der Lahntalbahn denkmalfachlich zu bewerten.
Schon im März sowie im Mai 2018 konnte die Landesdenkmalpflege gemeinsam mit den Kollegen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Mosel-Saar-Lahn aus Koblenz die baulichen und technischen Anlagen entlang der Lahn eingehend und vertieft besichtigen. Als Ergebnis dieser ersten Begehungen und Befahrungen hat die Denkmalfachbehörde die historischen Wehranlagen und Hochwasser-Sperrtore, wie alle Schleusen- und Wehranlagen sowie dazugehörigen Einrichtungen zur Energiegewinnung sowie die den Fluss und die Schifffahrt betreffenden historischen Zeugnisse im rheinland-pfälzischen Abschnitt der Lahn als Kulturdenkmäler erkannt.

Die Untersuchung wird insgesamt elf Schleusenanlagen zwischen Diez und der Lahnmündung in den Rhein bei Lahnstein dokumentieren, darunter zwei Schleusen aus der Ausbauphase des 19. Jahrhunderts in Nievern und Ahl, Niederlahnstein und Hohenrhein. Bestandteil der Erfassung sind auch neun Anlagen, die ab 1927 entstanden, darunter jene in Diez, Scheidt, Kalkofen, Hollerich, Nassau, Dausenau, Bad Ems und in Lahnstein. Die Dokumentation umfasst nicht nur die eigentlichen Schleusenanlagen, sondern auch die Wehre und verschiedene dem Schleusenbetrieb zugehörige Anlagen und Funktionsgebäude, Pegelhäuschen sowie Vorrichtungen und Bauten, die der Energiegewinnung dienten. Zu allen diesen Gebäuden und Objekten werden im Rahmen des Projektes Archivquellen, Daten und der Baubestand erfasst, dokumentiert und bewertet.

Zum Untersuchungsauftrag zählen zudem die erhaltenen Anlagen, die die Industrie- und Wirtschaftsgeschichte der Region am historischen Verkehrsweg Lahn überliefern, wie historische Verladestellen am Lahnufer sowie bauliche Uferbefestigungen in verschiedenen Flussabschnitten, aber auch die Lahntalbahn, die ab den 1860er Jahren entlang des Flusslaufes gebaut wurde. Von ihr haben sich Brückenbauwerke bei Altendiez / Fachingen, in Balduinstein, in Obernhof, Nassau und Lahnstein erhalten, neben weiteren Anlagen mit deren Funktionen.

Ziel der Untersuchung ist die differenzierte Darstellung der Denkmaleigenschaft der überkommenen Anlagen, die Abgrenzung des Schutzumfangs und die denkmalfachliche Bewertung durch die Landesdenkmalpflege. Die Untersuchung wird zudem detaillierte Informationen zur Bau- und Technikgeschichte am historischen Schifffahrts- und Verkehrsweg Lahn recherchieren und zusammenstellen. Die einzelnen Objekte sollen hinsichtlich ihres historischen Zeugniswertes sowie ihrer räumlichen Ausdehnung als Grundlage für die künftige Denkmalbegründung und Denkmalausweisung analysiert werden. Darüber hinaus sollen im Zuge einer auswertenden Kartierung die Schwerpunkte der historischen Überlieferung und des anschaulichen Zeugniswertes kartographisch dargestellt werden. Um die Recherchen und Untersuchungen vor Ort zu strukturieren, hat die Landesdenkmalpflege objektbezogen Erfassungs- und Aufnahmebögen entwickelt. Diese bilden die Muster für den Dokumentationsbogen zu den einzelnen Anlagen und Objekten.

Nach Abschluss des Projektes und der Bestimmung des Denkmalwertes dieser Anlagen sowie des historischen Verkehrswegs LAHN von Diez bis Lahnstein werden wir gern erneut von unseren Ergebnissen berichten.

Alexandra Fink