Nachqualifizierung der Denkmalzonen „Ortskern Maikammer“ und „Ortskern Maikammer-Alsterweiler“ abgeschlossen

Im Rahmen des Projekts „Systematische Nachqualifizierung der Denkmalzonen in Rheinland-Pfalz“ wurden die historischen Ortskerne der pfälzischen Orte Maikammer und Maikammer-Alsterweiler denkmalpflegerisch bewertet. Die gewonnenen Untersuchungsergebnisse konnten nun vor Ort vorgestellt werden.

Inmitten der vom Wein geprägten Kulturlandschaft am Rande des Pfälzerwaldes, mit Blick auf das Haardtgebirge und das Hambacher Schloss, befindet sich der Ort Maikammer mit seinem Ortsteil Alsterweiler. Beide Ortschaften liegen nah beieinander und standen schon immer in einem politischen und baulichen Zusammenhang. Bis heute konnten sich ihre historischen Kerne erhalten, die die Orts- und Baugeschichte noch immer ablesbar dokumentieren.

Maikammer und Alsterweiler gehen wahrscheinlich auf fränkische Siedlungen zurück, deren mittelalterliche Parzellenstruktur in Form von Langgewannfluren ablesbar geblieben ist. Dies wirkt sich stark auf den jeweiligen Ortsgrundriss und die Ortsbebauung aus. Maikammer, dessen ursprünglicher Ortskern sich wohl um die katholische Pfarrkirche St. Kosmas und Damian herum bildete, entwickelte sich zu einem Mehrstraßendorf mit kreuzförmigem Grundriss. Alsterweiler hingegen wuchs als typisches Straßendorf entlang der Hauptstraße als Kernbereich. Die Ortsbebauung der als Denkmalzonen geschützten beiden Ortskerne wird vom Weinbau geprägt. Dies zeigt sich insbesondere in einer dichten Bebauung mit Haus- und Hofanlagen, die die Wohnhäuser in der regionaltypischen Bauweise des Winzerhauses mit rückwärtig gelegenen Wirtschaftsgebäuden, oft als Zweiseit- oder Dreiseithofanlagen kombinieren. Im Straßenbild beider Orte überwiegen verputzte Massivbauten des 18. und 19. Jahrhunderts mit sandsteinerner Gliederung und betonter Traufzone, die häufig mit Schmuckfriesen verziert sind. In Maikammer sind jedoch auch einige einzelne, besonders auffällige Gebäude zu entdecken, wie beispielsweise Renaissance-Bauten, die mit aufwendigen Fassadengestaltungen wie Schweif- und Treppengiebeln im Straßenbild hervortreten. Auch Baudetails wie die charakteristischen Torfahrten mit repräsentativen Rundbögen sowie Nischen mit Hausfiguren oder schmiedeeiserne Hausschilder und Steinschieber an Kelleröffnungen sind prägende Elemente, die für beide Denkmalzonen konstituierend sind.

Mit großem Interesse nahmen Vertreter der Verbands- und Ortsgemeinde, der lokalen Tourist-Information sowie der Kreisverwaltung an der Präsentation der Untersuchungsergebnisse in Maikammer teil. Die Beteiligten waren sich einig, dass die intensive Betrachtung der Ortskerne den Menschen vor Ort einen neuen, sensibilisierten Blick auf den Heimatort ermöglicht. Deshalb wird auch eine Kooperation mit KuLaDig, dem digitalen „Informationssystem über die historische Kulturlandschaft und das landschaftliche Kulturelle Erbe“ in Deutschland angestrebt, die eine weitere Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen soll.

Aber auch die denkmalpflegerische und planerische Arbeit in den Denkmalzonen kann nun durch die vorgelegten Ergebnisse der Nachqualifizierungen unterstützt werden, die detailliert die prägenden Elemente der Orts- und Straßenbilder beschreiben sowie konstituierenden Elemente der Denkmalzonen aufzeigen. Die Untersuchungsergebnisse dienen somit künftig als wissenschaftliche Grundlage zur denkmalpflegerischen Bewertung möglicher Baumaßnahmen und Veränderungen an Fassaden, Einzelgebäuden und der Ortsstruktur. Aber auch die Eigentümer der Gebäude innerhalb der Denkmalzone können die Projektergebnisse, die auf der Website der Landesdenkmalpflege veröffentlicht werden, bei der Vorbereitung und Planung baulicher Maßnahmen nutzen. Der sachgerechte Umgang mit der historischen Substanz wird somit erleichtert und eine denkmalgerechte städtebauliche Entwicklung der Gemeinde gefördert.

Lucy Liebe