Dritter Teilband der Denkmaltopographie Alzey-Worms erschienen

Zahlreiche Besucher sind der Einladung nach Saulheim gefolgt, als am 3. September 2021 in der Evangelischen Kirche der neue und nunmehr abschließende Teilband der Denkmaltopographie Alzey-Worms vorgestellt wurde.

Zahlreiche Besucher sind der Einladung nach Saulheim gefolgt, als am 3. September 2021 in der Evangelischen Kirche der neue und nunmehr abschließende Teilband der Denkmaltopographie Alzey-Worms vorgestellt wurde.

Mit dem Abschluss des nun vorgelegten vierten Bandes der Denkmaltopographie Alzey-Worms sind sämtliche Kulturdenkmäler des Landkreises aktuell erfasst, nachdem die letzten drei Teilbände bereits in den Jahren 2012, 2014 und 2018 erschienen waren. Landrat Heiko Sippel erläuterte bei seiner Begrüßung nachdrücklich, dass die nun fertiggestellte Denkmaltopographie einen riesigen Wissensschatz für die Gemeinden erschließe und die Denkmallandschaft des Landkreises damit hervorragend dokumentiert sei. Abteilungsleiterin Ruth Marx vom Ministerium des Inneren und für Sport unterstrich die Bedeutung der Denkmaltopographien, in denen sich die Bürger ausführlich über die in der amtlichen Denkmalliste aufgeführten Kulturdenkmäler des Landes und die Begründung ihrer Denkmaleigenschaft informieren können; sie betonte zugleich, dass die Bände für alle an ihrer Heimatregion Interessierten eine unverzichtbare Quelle darstellen und die Einordnung der Kulturdenkmäler in die Region und ihre Geschichte ein wichtiges wissenschaftliches Hilfsmittel sei, die Entwicklung des Landkreises und seiner Orte in Kenntnis und im Bewusstsein ihrer historischen Werte weiterzuentwickeln. Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser bemerkte, dass mit Erscheinen des vierten Bandes nun die Arbeit an der Denkmalerfassung in dieser Region auf dem aktuellen Stand gebracht worden sei. Darüber hinaus verwies Roswitha Kaiser darauf, dass Kulturdenkmälern mehr als nur Gebäude oder Steine sind, vielmehr stellen sie zugleich den genetischen Code einer Region dar: Kulturdenkmäler sind gebaute Heimat. In ihnen könne man die Entwicklung der Gesellschaft nachvollziehen.Im Anschluss präsentierte die Bearbeiterin und Autorin Dr. Ingrid Westerhoff mit großer Begeisterung den Gästen viele Highlights sowie die Ergebnisse ihrer Arbeit und Erfassungstätigkeit zum vierten Teilband der Denkmaltopographie im Landkreis Alzey-Worms.
Er behandelt die zwei nördlichen Verbandsgemeinden Wöllstein und Wörrstadt mit ihren 21 Ortsgemeinden mit rund 350 Kulturdenkmälern.Die Veranstaltung fand stellvertretend für die vielen und vielfältigen Kulturdenkmäler der beiden Verbandsgemeinden in der Evangelischen Kirche in Saulheim statt. Diese wurde in den Jahren 1885/86 nach dem Entwurf des angesehenen Münchener Architekten Heinrich von Schmidt errichtet, der zuvor die Oppenheimer Katharinenkirche restauriert hatte. Auch die hölzerne Innenausstattung geht auf seinen Entwurf zurück – die Kirche präsentiert sich somit als Gesamtkunstwerk des angesehenen Architekten. Die evangelische Kirche erhebt sich in unmittelbarer Nachbarschaft des bedeutenden Rathauses von Nieder-Saulheim mit seinem Renaissance-Treppenturm. Gemeinsam mit der kath. Pfarrkirche und dem dazwischen liegenden Germania-Denkmal von 1870/71 bilden diese Kulturdenkmäler ein überaus reizvolles und eindrucksvolles bauliches Ensemble.

Sind herrschaftliche Bauten wie Burgen und Schlösser im Bearbeitungsgebiet eher in geringer Zahl vertreten, so sind sie umso bemerkenswerter, wie z. B. „Schloss Veldenz“, das gegen Ende des 16. Jahrhunderts errichtet wurde. Zu den ältesten Zeugnissen des Sakralbaus gehören die zahlreichen romanischen Kirchtürme aus dem 12. und 13. Jahrhundert, so in Spiesheim, Schornsheim und Wendelsheim. Der viergeschossige Kirchturm der Evangelischen Kirche in Wonsheim wurde gar über einer Krypta aus dem 12. Jahrhundert errichtet.Zeugnisse des dörflichen Alltags überliefern Hofanlagen, Mühlen, die regionaltypischen sog. „Kuhkapellen“, d. h. kreuzgewölbte Kuhställe, die sich in vielen Hofanlagen und Anwesen erhalten haben, Weinbergshäuser, sog. Trulli, und Kelleranlagen. Zeugen der Regulierung der Wasserversorgung sind die vom Darmstädter Jugendstil beeinflussten Wasserbehälter aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Friedhöfe mit Grabsteinen des 18., 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts überliefern eine Fülle denkmalwerter Grabmäler. Die Kriegerdenkmäler, darunter die populären Germaniaskulpturen, spiegeln den Blick der jeweiligen Generation auf die Geschichte.

Dr. Alexandra Fink
Fachbereich Inventarisation

 

 

 


Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 20.4
Kreis Alzey-Worms
Verbandsgemeinden Wörrstadt und Wöllstein
Bearbeitet von Ingrid Westerhoff
266 Seiten mit farb. Abb. und Karten
ISBN 978-3-88462-406-7
€ 48,-