Vertiefende Untersuchung der Denkmalzonen „Ortskern Hayna“, „Ortskern Dill“ und „Ortskern Ediger“ abgeschlossen

Im Rahmen des Projekts „Systematische Nachqualifizierung der Denkmalzonen in Rheinland-Pfalz“ wurde die Bearbeitung der Ortskerne von Herxheim-Hayna, Dill und Ediger als Ortsteil von Ediger-Eller kürzlich abgeschlossen und deren Ergebnisse den Vertretern der jeweiligen Ortsgemeinden, Verbandsgemeinden und Kreisverwaltungen präsentiert und übergeben.

Zu den Denkmalzonen gehören nach dem rheinland-pfälzischen Denkmalschutzgesetz neben baulichen Gesamtanlagen wie Burgen und Schlössern, Klöstern und Stadtbefestigungen auch kennzeichnende Straßen-, Platz- und Ortsbilder mit ihren vielgestaltigen, oftmals über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen. Ihre Bedeutung im Ganzen und Wertigkeit im Einzelnen zu erkennen und darzustellen, ist eine wichtige Aufgabe der Inventarisation in der Denkmalpflege.

Im Auftrag der Direktion Landesdenkmalpflege und in Kooperation mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wurde in den vergangengen Monaten die "Systematische Nachqualifizierung der Denkmalzonen in Rheinland-Pfalz" unter der Leitung von Dr. Alexandra Fink durch die Kunsthistoriker Lucy Liebe und Felix Tauber eingehend bearbeitet. Die wissenschaftlichen Ausarbeitungen umfassen jeweils eine kurze einleitende Darstellung der jeweiligen Ortsgeschichte und Topografie sowie der örtlichen Baugeschichte einschließlich der charakteristischen Haustypen. Die Ausführungen werden durch einen ausführlichen Katalogteil zu den Gebäuden und Anwesen innerhalb der Denkmalzone, historische sowie aktuelle Katasterpläne und eine ausführliche Kartierung des Gebäudebestands ergänzt. Ziel der Untersuchungen ist es, die Geschichte von historischen Stadt- und Ortskernen eingehender zu veranschaulichen. Es soll auf die schützenswerten Räume, Bauten und Strukturen aufmerksam gemacht werden, denn für viele historische Stadt- und Ortskerne fehlt bisher für das Bundesland Rheinland-Pfalz eine differenzierte Wissensbasis für einen flächenbezogenen Denkmalschutz, wie er für Denkmalzonen mit ihrem übergreifenden Denkmalwert notwendig ist. Die Ergebnisse der vertiefenden Untersuchung der Denkmalzonen dienen künftig als fundierte Grundlage zur denkmalpflegerischen Bewertung möglicher Baumaßnahmen und Veränderungen an Fassaden, Einzelgebäuden und der Ortstruktur. Sie sollen zugleich den sachgerechten Umgang mit der baulichen Substanz erleichtern und zudem Eigentümern aller in der Denkmalzone befindlichen Gebäude und Anwesen in der Vorbereitung baulicher Maßnahmen hilfreich zur Seite stehen und einer denkmalgerechten Entwicklung möglicher Planungen förderlich sein.

Besondere Ortskerne in Rheinland-Pfalz

Die denkmalgeschützten Ortskerne von Dill (Rhein-Hunsrück-Kreis), Ediger (Kr. Cochem-Zell) und Hayna (Kr. Südliche Weinstraße) werden allesamt nicht nur durch einzelne Kulturdenkmäler, sondern auch und insbesonders durch den historischen Ortsgrundriss, die Straßen und Plätze, die Grün- und Freiflächen sowie durch die Gesamtheit der historischen Bausubstanz und deren Erscheinungsbild geprägt.

Herausgehobene Alleinstellungsmerkmale des Ortskerns von Hayna sind der historische Ortsgrundriss mit seiner schmalen Parzellenstruktur, die Haken- und Dreiseithöfe mit ihren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden des 18. bis 20. Jahrhunderts, die ortsbildprägenden Fachwerkhäuser, zahlreiche Tabakschuppen und rückwärtig die typischen Scheunenkränze und Gärten.

Das Ortsbild von Dill ist hauptsächlich durch die um den Burgberg sich entwickelnde historische Ortsstruktur samt Hofanlagen mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden des 17. bis 20. Jahrhunderts geprägt. Die bemerkenswerte Dorfsilhouette, bei der sich Burg, Kirche und Pfarrhaus in zentral gelegener Spornlage befinden und der Bebauung unterhalb des Bachlaufs folgt, kann als außergewöhnlich bezeichnet werden. Die Fachwerkwohnhäuser des frühen 20. Jahrhunderts mit belichtetem Kniestock, können als eine besondere Haustypologie von Dill ausgemacht werden, die zusammen mit der Bruchsteinarchitektur des 19. Jahrhunderts das Ortsbild entscheidend prägt.

Auch die historische Struktur des Moselortes Ediger prägt ein ungewöhnlich dichter Baubestand seit dem 16. Jh., in dem schmuckreiche Fachwerkhäuser, barocke Winzerhöfe und späthistoristische Bruchsteinbauten dominieren.  Der Ort wird von Resten einer mittelalterlichen Stadtmauer mit Türmen und Toren umgeben. Die Gesamtheit der einzelnen charakteristischen Bestandteile des Ortskerns hat eine weithin sichtbare Wirkung auf das Moseltal.

Rheinland-Pfalz besitzt eine große Anzahl an denkmalgeschützten, historischen Ortskernen, die die große Bandbreite an besonders erhaltenswerten Ortsstrukturen und Ortsbildern aufzeigen. Daher werden auch künftig weitere Orte im Rahmen des Projekts bearbeitet werden.

Lucy Liebe