Vertiefende Untersuchung der Denkmalzonen „Altstadt Annweiler“ und „Ortskern Beilstein“ abgeschlossen

Die historischen Ortskerne des pfälzischen Städtchens Annweiler am Trifels und des Moseldorfs Beilstein wurden im Rahmen des Projekts „Systematische Nachqualifizierung der Denkmalzonen in Rheinland-Pfalz“ genauer beleuchtet. Die Untersuchungsergebnisse konnten nun den Orts- und Kreisverwaltungen präsentiert werden.

Annweiler und Beilstein vertreten nicht nur unterschiedliche Landesteile in Rheinland-Pfalz, sondern unterscheiden sich auch auf charakteristische Weise in ihrer Geschichte und bauhistorischen Struktur. Die intensive Betrachtung der Ortskerne konnte herausstellen, was das jeweilige Ortsbild so besonders macht.

Annweiler, im südlichen Teil des Pfälzerwaldes gelegen, wird von dem kleinen Fluss Queich durchflossen und ist von bewaldeten Hügeln und Bergen umgeben. Die drei Burgberge Anebos, Scharfenberg und Trifels bestimmen das Landschaftsbild der unmittelbaren Umgebung und gelten als Wahrzeichen der Stadt. Mit der Burg Trifels, an deren Fuße Annweiler liegt, ist die Geschichte der Stadt eng verknüpft. Der heute noch bestehende, regelmäßig strukturierte Stadtgrundriss geht auf die staufische Zeit des Trifels im 13. Jahrhundert zurück. Damals wurde Annweiler zur Stadt erhoben und eine Stadtbefestigung errichtet, von der sich bis heute Überreste erhalten haben. Der Bereich der Denkmalzone „Altstadt Annweiler“ richtet sich in etwa nach dem historischen Verlauf der Stadtmauer. Doch nicht nur die erhaltene historische Ortsstruktur und die Stadtmauerreste zeichnen sich als Alleinstellungsmerkmal Annweilers aus. In der Altstadt hat sich trotz großer Schäden im Zweiten Weltkrieg und der darauffolgenden, intensiven Wiederaufbauphase ein selten dichter Bestand an historischen Gebäuden des 17. bis 20. Jahrhunderts erhalten. Zum einen wird das Ortsbild durch giebelständige Fachwerkhäuser bestimmt, die zum Teil noch Schmuckformen der Renaissance aufweisen. Zum anderen treten Baustile späterer Epochen, wie durch die französische und bayerische Zeit geprägte klassizistische Putzbauten, in den Vordergrund. Aber auch besondere Bereiche der Stadt, wie das charakteristische Gerberviertel mit seinen über der Queich liegenden Brücken und den typischen Gerberhäusern sowie die historisierende Bebauung der 1950er Jahre am zentralen Rathausplatz, tragen zum Gesamtbild dieser außergewöhnlichen pfälzischen Kleinstadt bei.

Im Kontrast dazu steht das Dorf Beilstein, das sich in Hanglage am Ufer der Mosel mit Klosterberg und Burgruine zu einer bemerkenswerten Dorfsilhouette und der weithin bekannten Flussansicht fügt. Die Grenzen der Denkmalzone „Ortskern Beilstein“ richten sich ebenfalls nach dem Verlauf der historischen Stadtmauer, deren Reste sich noch mitsamt den ehemaligen Stadttoren und -türmen im Ortsbild zeigen. So hat sich auch der mittelalterliche Ortsgrundriss erhalten, dessen Bebauung sich etwa ab 1300 unterhalb des Burgberges entwickelte. Einen zentralen städtebaulichen Mittelpunkt bildet hierbei der Marktplatz mit Zehnthaus und ehemaliger Pfarrkirche. Neben einigen spätmittelalterlichen Bauten geht die heutige Ortsbebauung insbesondere auf eine rege Bautätigkeit im 18. Jahrhundert zurück. Einer der häufigsten Haustypen ist das Winzerhaus in Mischnutzung, dessen Fachwerkobergeschosse über gemauerten Kellern und Sockelgeschossen die Wohnräume aufnehmen. Die häufig an den Hang gesetzten Keller- und Sockelbereiche dienen der landwirtschaftlichen Nutzung sowie der Lagerung. Insbesondere am Marktplatz und in der Nähe der Treppe zum Kloster findet sich zahlreiches Schmuckfachwerk, das z. B. mit geschweiften Streben oder einer Brüstungszier ins Auge fällt. Mit dem Aufblühen des Weinbaus entstanden im 19. und frühen 20. Jahrhundert Bruchsteingebäude, die mit ihrem zugehörigen Wirtschaftsgebäuden und den historischen Weinanbauflächen am Ortsrand das typische Ortsbild mitprägen und zugleich die landwirtschaftliche Tradition des Winzerortes sowie der gesamten Region dokumentieren.

Die Projektergebnisse zeigen ein detailliertes Bild der beiden Ortschaften und eröffnen so den Blick auf das für die Denkmalzonen prägende Orts- und Straßenbild sowie deren konstituierende Elemente. Diese Elemente unterscheiden sich dabei von Ort zu Ort und zeigen somit die Vielseitigkeit der rheinland-pfälzischen Denkmallandschaft. Für Annweiler und Beilstein werden die Untersuchungsergebnisse der Nachqualifizierung künftig als wissenschaftliche Grundlage zur denkmalpflegerischen Bewertung möglicher Baumaßnahmen und Veränderungen an Fassaden, Einzelgebäuden und der Ortstruktur dienen. Der sachgerechte Umgang mit der baulichen Substanz wird somit erleichtert. Die Ausarbeitungen können sowohl Eigentümern der in der Denkmalzone befindlichen Gebäude bei der Vorbereitung und Planung baulicher Maßnahmen hilfreich zur Seite stehen, als auch einer denkmalgerechten städtebaulichen Entwicklung förderlich sein.

Lucy Liebe