Unter Schmutz und Schmodder strahlend bunt!

Das klassizistische Chorgestühl in der kath. Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus in Heidesheim wird zurzeit restauriert

Die Heidesheimer Kirchengemeinde St. Philippus und Jakobus ist seit Anfang des 19. Jahrhunderts im Besitz eines Chorgestühls, das aus dem ehemaligen Mainzer Welschnonnenkloster stammt. Hier befand sich wohl von 1761 bis zur Säkularisation des Klosters 1802 der ursprüngliche Standort des Gestühls. Nach der Fertigstellung der „neuen“ Heidesheimer Kirche als klassizistische Hallenkirche im Jahre 1811 erwarb im darauffolgenden Jahr die dortige Pfarrei vom Schulfonds als Nachbesitzer des Klosters das Ausstattungsstück. Anhand von historischen Fotografien ist gut zu erkennen, dass es sich zunächst an den Seitenwänden des Mittelschiffs der Kirche befand, während es heute im 1960/61 entstandenen östlichen Querhaus aufgestellt ist. Es besteht aus vier holzsichtigen Gestühlfragmenten, die sich aus zwei Gestühlen mit je fünf Stallen und zwei Gestühlen mit je drei Stallen zusammensetzen und mit insgesamt 16 in den Dorsalen intarsierten Leinwandgemälden sowie einer einfachen Bankreihe ausgestattet sind. Eine weitere doppelreihige Bankreihe mit dunklem Überzug steht im Eingangsbereich, rechts vom Hauptportal.

Die Gemälde zeigen abwechselnd Heiligendarstellungen und qualitätvolle Blumenstilleben. Unter anderem sind die Heiligen Johannes Nepomuk, Franz Xaver, Theresa von Avila, Augustinus, Pierre Fourier sowie Bernhard von Clairvaux abgebildet. Die ovalen Darstellungen sind jeweils mit einem Rahmenwerk aus ineinandergreifenden, ölvergoldeten Blüten verziert und werden seitlich entweder durch floral geschnitzte Konsolen oder durch korinthische Säulen zur nächsten Stalle hin abgegrenzt. Die Gemeinde plant für die Zukunft alle Teile des Gestühls im östlichen Querhaus der Kirche zu versammeln und dort neu zu gruppieren. In diesem Zusammenhang soll auch eine Restaurierung des Gestühls und der Gemälde erfolgen, wozu eine Einschätzung des Fachdienstes Restaurierung der Landesdenkmalpflege erbeten wurde. Nach einer Inaugenscheinnahme und ersten Proben zur Abnahme des stark verbräunten und versprödeten Firnisüberzuges wurde deutlich, wie farbenfroh die hochbarocke Malerei sich unter dem gealterten Firnisüberzuges erhalten hat (siehe auch hierzu die Abbildungen 2 und 3). In naher Zukunft soll ein qualifizierter Restaurator sowohl mit der Erfassung der Schäden, als auch mit der Erarbeitung eines Restaurierungskonzeptes beauftragt werden. Hierbei ist für die Konzeption der Restaurierung die Erstellung zweier Musterachsen geplant. Eine eingehende technologische Untersuchung, die wünschenswert, aber aufwendiger ist, könnte dann zu einem späteren Zeitpunkt Bestandteil der eigentlichen Restaurierungsmaßnahme sein, ebenso wie eine Archivrecherche zur Objektgeschichte. Die Restaurierung des qualitätvoll gearbeiteten Chorgestühls und insbesondere die Reinigung der Gemälde wird in jedem Fall dazu beitragen, dass dieses Ausstattungsobjekt künftig wieder ein optisches „Highlight“ und eine Augenweide in der Heidesheimer Kirche sein wird.

Claudia Gerner-Beuerle, Restaurierung