Restaurierung des Kultursaals in Schloss Sinzig abgeschlossen

Das sogenannte Schloss Sinzig wurde als Villa im neugotischen Stil in den Jahren 1856 bis 1859 erbaut. Bauherr war der Kölner Kaufmann Gustav Bunge, die Pläne stammen vom Architekten Vincenz Statz (1819–1898), der als Kölner Domwerkmeister zu den bedeutenden Vertretern der Neugotik im Rheinland zählte und zahlreiche qualitätvolle Werke geschaffen hat.

Das Gebäude wurde 1954 von den Erben an die Stadt verkauft, heute sind dort das Sinziger Heimatmuseum und das Stadtarchiv beherbergt. Die Räume im Erdgeschoss, insbesondere das Turmzimmer und der ehem., heute als „Kultursaal“ genutzte Große Salon, dienen heute offiziellen Zwecken, u. a. als Standesamt.

Die Restaurierung des Kultursaals wurde von der Generaldirektion Kulturelles Erbe finanziell gefördert. In Abstimmung mit den Projektbeteiligten, der Stadt als Eigentümerin, dem Architekten, der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Ahrweiler, sowie in enger Zusammenarbeit mit der Direktion Landesdenkmalpflege wurde durch ein Büro für restauratorische Fachplanung der Raum grundlegend auf seinen historischen Bestand und vorliegende Schadensbilder hin untersucht und ein detailliertes Leistungsverzeichnis mit Kostenschätzung erstellt. Ziel der Maßnahmen war die Wiederherstellung der ursprünglichen Raumwirkung durch konservatorische, restauratorische und bedarfsweise auch rekonstruierende Maßnahmen.

Aufgrund der vorliegenden Materialvielfalt der bauzeitlichen Ausstattung waren bei der Restaurierung unterschiedlichste Fachdisziplinen gefragt:

Am Parkettboden wurden Schäden an der Unterkonstruktion und den Oberflächen behoben, Teilbereiche wurden rekonstruiert. An den strukturierten und teilvergoldeten Lederbespannungen der Holzvertäfelungen wurden Löcher und Risse durch eingesetzte Intarsien geschlossen. Die Rahmenkonstruktionen der Doppelflügeltüren waren überstrichen, die künstlerisch gestalteten Papierkaschierungen in den Füllungsfeldern sind dabei glücklicherweise ausgespart worden. Nach Befund konnte die ursprüngliche Farbigkeit wiederhergestellt werden. Hinweise für die Rekonstruktion der bauzeitlichen Wandgestaltung gab ein aufgefundener Tapetenrest. Unter den Anstrichen der Fenster- und Türlaibungen konnten historische Ausmalungen teils freigelegt, teils anhand von Farbbefunden rekonstruiert werden.   

Die aufwendig gestaltete Stuckdecke war bereits 2017, ebenfalls nach eingehender Untersuchung restauriert worden.

In einem nächsten Bauabschnitt sollen die bauzeitlichen Fenster- und außenseitigen Türanlagen der repräsentativen Räume des Erdgeschosses restauriert werden.

Martin Hammer