Entdeckung einer getäfelten Stube in Zeiskam

Das seltene Zeugnis einer frühneuzeitlichen Wandausstattung in der Pfalz konnte jüngst bei einer Instandsetzungsmaßnahme entdeckt werden.

Im Rahmen der monatlichen Kreisbereisungen besuchten Doris Kaffenberger von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Germersheim und der Verfasser als zuständiger Gebietsreferent der Landesdenkmalpflege kürzlich ein Fachwerkhaus in Zeiskam, das zur Sanierung ansteht. Das Gebäude ist durch eine dendrochronologische Untersuchung auf das Jahr 1538 datiert und gehört damit zu den wenigen, die die Zerstörung der Pfalz von 1689 überlebt haben. Anlass des Besuchs war das Vorhaben, in diesem Gebäude zwei Mietwohnungen einzurichten. Zur Vorbereitung der Sanierung und zur Überprüfung der Fachwerkkonstruktion hatte man bestehende moderne Wandverkleidungen bereits entfernt. In einem Zimmer im Obergeschoss tauchte hinter dieser Wandverkleidung eine historische Wandvertäfelung auf, die bauzeitlich oder doch zumindest sehr alt sein muss. Die breiten und sehr langen Bohlen der wandhohen Vertäfelung sind farbig gefasst und mit einer hölzernen Kassettierung versehen. Profilierte Aussparungen in der Vertäfelung korrespondieren mit der ursprünglichen Fensteranordnung, wie sie in der Fachwerkkonstruktion von außen immer noch ablesbar ist. Die Vertreter der Denkmalbehörden waren sofort überzeugt davon, hier einen wegen seiner Seltenheit wertvollen Befund vor sich zu haben. Um Klarheit über dessen Alter und Bedeutung zu gewinnen, wurde umgehend eine bauhistorische und eine restauratorische Untersuchung beauftragt.

Ziel dieser Untersuchungen ist es, zunächst den Bestand zu erfassen und zu dokumentieren und in einem anschließenden Schritt die ursprüngliche Erscheinung des Raumes zu rekonstruieren. Diese soll dann in die Baugeschichte des Hauses eingebettet und die Stube in Bezug zu anderen vertäfelten Räumen der Zeit gesetzt werden. Auf der Grundlage dieser wissenschaftlichen Untersuchung und Bewertung soll schließlich ein Konzept entwickelt werden, wie der wertvolle Bestand erhalten und gleichzeitig eine Nutzung als Mietobjekt möglich gemacht werden kann.

Damit der Fund auch in Zukunft für den wissenschaftlichen Diskurs zur Verfügung steht, wurden eine zeichnerische Rekonstruktion der Stube samt ihrer farblichen Fassung sowie eine zeichnerische Rekonstruktion der ursprünglichen Erscheinung des Hauses in Auftrag gegeben. Mittels einer dendrochronologischen Untersuchung der Bohlen soll zudem versucht werden das Alter des Holzes zu bestimmen. Sollte die Wandvertäfelung erst nachträglich eingebaut worden sein, ließe sich so der Zeitraum dieses Umbaus besser eingrenzen. Die restauratorische Untersuchung soll klären, ob die vorgefundene Farbigkeit die Ursprungsfassung ist oder noch ältere Fassungen darunter liegen. Weiter, ob die farbige Fassung nur an den vertäfelten Außenwänden vorhanden war oder sich auch an den Innenwänden befand. Wichtig für die spätere Sicherung der Farben ist auch ihre Art und Beschaffenheit, die es zu bestimmen gilt. Und schließlich sollen Vorschläge zur dauerhaften Sicherung der Holzvertäfelung insgesamt gemacht werden. Die genannten Untersuchungen sind im Laufe des Novembers erfolgt und wir warten jetzt gespannt auf die Ergebnisse.

Dr. Christian Schüler-Beigang
Praktische Denkmalpflege