Der Mainzer Erdal-Frosch, eine der ältesten monumentalen Leuchtreklamen Europas wird derzeit untersucht und konserviert

Das Markenzeichen als Wahrzeichen: Bis November 2019 thronte der Erdal-Frosch, die beliebte Werbefigur, hoch oben auf dem sogenannten Froschturm für jeden weithin sichtbar auf dem Gelände der Mainzer Firma Werner & Mertz. Jüngst wurde die in die Jahre gekommene Skulptur jedoch heruntergeholt und in eine Lagerhalle vor Ort transportiert, wo sich derzeit ein Expertenteam mit der monumentalen Leuchtreklame eingehend befasst.

Am 23. Oktober 1867 gründeten die Brüder Friedrich Christoph und Georg Werner die Wachswarenfabrik Gebrüder Werner. Aufgrund finanzieller Differenzen schied Georg Werner allerdings 1872 aus dem Unternehmen wieder aus. Mit Georg Mertz stieß 1878 schließlich der zweite Namensgeber hinzu, sodass die Wachswarenfabrik fortan unter dem Namen Werner & Mertz firmierte. Der kinderlose Mertz verstarb jedoch bereits 1887, woraufhin seine Anteile sowie die Unternehmensleitung sein Schwager Philipp Adam Schneider übernahm. In der Folgezeit fielen auch die Firmenanteile von Friedrich Christoph an Schneider und bis heute befindet sich die Firma in den Händen seiner Nachkommen.

1896 siedelte die Firma aus dem alten Bleichenviertel in die Mainzer Neustadt um. Der neue Standort an der Erthalstraße gab 1901 einem völlig neuartigen Produkt, der „Erdal Schuhcreme“, seinen Namen. Am Anfang noch ohne Frosch kam dieser schließlich ab 1903 als Markenzeichen hinzu und gehört heute zu den bekanntesten Firmenlogos überhaupt. Der anfänglich in grün dargestellte Frosch wurde ab 1919 königlich in Purpurrot "gewandet", denn man glaubte an die verkaufsfördernde Wirkung von adligen Attributen, sodass die ersten Erdal-Dosen auch zusätzlich das Qualitätssiegel „Im Privatgebrauch an Fürstenhöfen“ trugen. Bei der Auswahl des Motivs, das dem Froschkönig aus dem gleichnamigen Märchen nachempfunden ist, spielte eine wichtige Rolle, dass der Frosch durch seine Haut gut vor Feuchtigkeit geschützt ist und er stets einen glänzenden Eindruck macht, so wie die Erdal-Schuhcreme auch die Schuhe schützen und glänzen lassen soll.

Als am 6. Januar 1908 die Fabrik- und Wohngebäude in der Erthalstraße durch einen Brand vernichtet wurden, beschloss man auf der Ingelheimer Aue, etwas außerhalb von Mainz, eine neue Fabrik zu errichten.

Nach einem weiteren Großbrand 1917 entstand ab 1918 auf demselben Gelände ein komplett neues Werk, auf dem dann auch der sogenannte „Froschturm“, das Wahrzeichen der Marke Erdal in Mainz, errichtet wurde. Zwar zerstörte 1944 ein Großangriff alliierter Bomber abermals weit über 80 Prozent des Firmengeländes, verschonten aber den Froschturm.

1960 wurde die seinerzeit noch streng dreinschauende Figur, die ursprünglich aus massivem Beton gearbeitet war, durch einen hohlen Kunststoffguss ersetzt, bei dessen Neuschöpfung das Markenzeichen mit einem freundlicheren Lächeln ausgestattet wurde. Ob als Modell für den Kunststoff-Abguss der einstige Vorgängerfrosch aus Beton verwendet wurde, ist nicht bekannt. Die heutige Großplastik besteht aus zwei Formteilen und wurde aus Polyesterharz und Glasfasermatten in einem Abguss-Verfahren hergestellt. Die Krone wurde als Einzelteil gefertigt und abschließend montiert. Im Innern ließ man ihn zusätzlich mit Leuchtstoffröhren ausstatten, sodass er fortan auch illuminiert werden konnte. Bei dem Erdal-Frosch handelt es sich somit um eine monumentale Leuchtreklame, die zu den ältesten erhaltenen Werbeanlagen dieser Art in Europa gehört und deshalb auch als technisches Denkmal geschützt ist.

Da der Erdal-Frosch in den letzten 60 Jahren jedoch der freien Bewitterung ausgesetzt war, sind neben der Oberflächenverschmutzung auch weitere Schadensbilder entstanden, die derzeit eingehend untersucht werden.

Von einem Expertenteam mit der Professorin für Konservierungs- und Restaurierungswissenschaften Dr. Friederike Waentig von der TH Köln und Prof. Dr. Marc Kreutzbruck sowie Prof. Dr.-Ing. Christian Bonten vom Institut für Kunststofftechnik der Universität Stuttgart werden neben Details zur Herstellungstechnik der Frosch-Skulptur auch die Schäden, wie Ausdünnung bzw. Abtragung der Schichtstärke, Schimmelbildung und Delaminierungen der einzelnen Schichten sowie deren Ursachen am Kunststoff, untersucht. Ebenfalls an der Ausabreitung des Konservierungsprojekts beteiligt, sind die beiden Restauratorinnen Kaska Kmiotek und Katrin Breßer, die bereits vor Ort am Frosch gearbeitet haben und ihn einer ersten Oberflächenreinigung unterzogen haben. Erst Ende des Jahres ist mit einem detaillierten Restaurierungskonzept zu rechnen.

Claudia Gerner-Beuerle