Annäherung an einen Adelshof in Kaiserslautern

Während der Restaurierungsarbeiten am Kolbenhof in Kaiserslautern, wurde jüngst ein sensationeller Fund gemacht. Unter einer Abdeckung im Erdgeschoss fand sich eine bauzeitliche Renaissancedecke.

An der alten Hauptachse, die die Stadt Kaiserlautern von Nordosten nach Südwesten durchzog – Steinstraße und Markstraße – lagen einst auch die großen Kloster- und Adelshöfe. Für die Steinstraße 55 ist der Wirtschaftshof der Prämonstratenserabtei Wadgassen bezeugt, für die Steinstraße 39 ein Wirtschaftshof des Zisterzienserklosters Werschweiler. Dessen Besitztümer wurden in der Folge der Reformation 1558 vom Pfalzgrafen eingezogen und 1583 an Friedrich von Flersheim veräußert. Im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts, als Pfalzgraf Johann Casimir Kaiserslautern zu seiner Residenz wählte und dafür das neue Schloss im Bereich der Kaiserpfalz (Barbarossas) baute, verlegten die Flersheimer ihr Burgmannenhaus vom Rittersberg hierher an die Steinstraße. Vermutlich unter Weiterverwendung einzelner Bauteile entstand ein dreiflügeliger Bau mit zwei längeren Flügeln parallel zur heutigen Kolbenstraße und einem verbindenden kurzen an der Steinstraße.

Der südliche Flügel hat sich bis heute erhalten und bei genauerem Hinsehen finden sich trotz der späteren Veränderungen noch einige charakteristische Bauelemente, die vom Renaissancebau geblieben sind: Auf der Rückseite zum heute schmalen Hof tritt das Treppenhaus hervor, außen polygonal, innen halbrund geformt, das einst die Wendeltreppe barg. Der Stadtpfarrer Carl Hollsteiner schrieb in seiner Stadtbeschreibung von 1860 noch von zwei Türmen mit Wendeltreppen, auch sah er noch den vollständigen Hof. Er nennt das Gebäude das Witt‘sche Haus vulgo Eulenburg, weiß aber, dass es sich um das Haus der Herren von Flersheim handelte. Er beschreibt ebenfalls noch an einem der beiden Türme die Jahreszahl 1585. Diese findet sich am Architrav des säulenflankierten Türgestells, das 1937 in den Saal des teilrekonstruierten Casimirschlosses versetzt wurde. Auf diesem Portal sieht man die beiden Wappen der Bauherren: Friedrich von Flersheim, ein quer dreigeteiltes Schild, und seine Ehefrau Ottilie Hauste von Ulmen mit gerautetem Feld. Beide Wappen sind auch – noch reicher mit Helmzier geschmückt – auf der rechteckig gerahmten Sandsteintafel wiedergegeben, die heute an der Ecke des Hauses am Anfang der Kolbenstraße in den Putz eingelassen ist. Weiterhin zeigen auf der Hofseite mehrere Fenstergewände in beiden Geschossen die gekuppelte Anordnungsweise mit gekehlten Gewänden und schneckenförmigem Ablauf im unteren Viertel.

Als der Flersheimer Hof oder wie er später genannt wurde, der Kolbenhof vor zwei Jahren seinen Eigentümer wechselte, kam bei den einsetzenden Sanierungsarbeiten ein sensationeller Fund zutage: Eine alte Decke aus Flersheimer Zeiten, die sich über der Abhängung im Erdgeschossraum fand, der das hintere Drittel des Flügels an der Kolbenstraße einnimmt.

Der Raum, der sich über die gesamte Tiefe des Flügels erstreckt, ist annährend quadratisch, die lichte Raumhöhe beträgt stattliche 4,2 m. Die Deckenkonstruktion, die sog. Tramdecke, besteht aus vier Eichenunterzügen, die in Ost-West-Richtung, also von der Straßen- zur Hofwand auf den starken Außenwänden aufliegen. Ihre Kanten sind mit einem S-förmigen (Karnies-) Profil geziert. In die Zwischenräume sind quer kurze Holzbalken eingelassen. Auf diesen Querbalken liegt der Boden des Obergeschosses auf.

Mithilfe der Landesdenkmalpflege konnte das Fälldatum des Holzes für die Decke in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestimmt werden und zwar auf eine Fällung nach 1543. Es ist somit ziemlich sicher davon auszugehen, dass die Decke im Zusammenhang der Einrichtung des Flersheimer Hofes 1583/85 gezimmert wurde. Später wurde im Rahmen von Sicherungs- und Reparaturmaßnahmen ein zusätzlicher Unterzug aus Kiefernholz in Querrichtung eingezogen, der dendrochronologisch auf das Jahr 1852/53 datiert werden konnte.

Kurzfristig anberaumte Untersuchungen durch die Restauratorin Karen Keller (Köln) brachten Klarheit über die ursprüngliche Farbigkeit von Decke und Wänden: So zeigte die unterste der 13 gefundenen Farbschichten auf den Deckenbalken ein mittleres Grau, der später angebrachte Unterzug ein helleres Grau. Diese Fassung wurde bei den aktuellen Erneuerungsarbeiten wiederhergestellt. Der Wandputz, der mit der Decke angebracht wurde, war kalkweiß, im Anschluss an die Decke verlief ein rotes Begleitband, weitere Verzierungen in Schwarz sind nur fragmentarisch nachweisbar.

Der Raum mit der nun wieder gewonnenen beträchtlichen Raumhöhe und der repräsentativen, mit profilierten Balken gestalteten Decke belegt sehr anschaulich Dimension und Qualität der Innenraumgestaltung eines Adelshofes des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Er ist damit ein bedeutendes Zeugnis der an vergleichbaren Bauten nicht reichen Kaiserslauterer Baugeschichte.

Ulrike Weber