3D-Erfassung der barocken Gartenskulpturen auf Schloss Malberg

Trotz seiner prachtvollen, weithin sichtbaren Lage auf einer Bergzunge gehört Schloss Malberg zu den eher verborgenen Schönheiten der Eifel. Dabei verweist die Architektur der aus einer mittelalterlichen Burg hervorgegangenen Anlage durch ihren Ausbau im 18. Jahrhundert für den Kölner Weihbischof Johann Werner von Veyder auf höchst anspruchsvolle venezianische Vorbilder.

Ein in Rheinland-Pfalz seltenes Zeugnis barocker Gartenkunst ist auch der um 1730 neu angelegte „Runde Garten“ und die dem Schlossgebäude vorgelagerte Terrasse samt Treppenanlage. Um das Jahr 1760 erfolgte dessen Ausstattung mit insgesamt zehn weiß gefassten Sandsteinskulpturen, welche der Werkstatt des bedeutenden fränkischen Rokokobildhauers Ferdinand Tietz zugeschrieben werden. Das Skulpturenprogramm zeigt Figuren der antiken Mythologie mit Themen der Natur, der Jahreszeiten sowie der Jagd. Aufgestellt wurden sie auf der Brüstung der Gartenumfassung und auf der Balustrade oberhalb der Treppe.

Nach Jahren der freien Bewitterung, waren die Skulpturen 1990 in einem derart schlechten Erhaltungszustand, dass sie von ihren angestammten Aufstellungsorten abgebaut werden mussten, um sie eingehend zu untersuchen sowie umfassenden konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen zu unterziehen. Die Arbeiten an den Skulpturen wurden 1994 fertiggestellt, allerdings ließ das bereits altersbedingt geschwächte Material die erneute Aufstellung der Figuren im Außenbereich nicht mehr zu. Seither sind die Skulpturen in der Schlosskapelle aufgestellt und somit vor den Witterungseinflüssen des Außenklimas geschützt.

Seit mehreren Jahren verfolgt der Förderverein Schloss Malberg e. V. das Ziel, Kopien der Gartenskulpturen anfertigen zu lassen, welche anstelle der Originale im Garten gezeigt werden können. Die Skulpturen der Flora und Diana wurden bereits bildhauerisch kopiert und flankierend oberhalb der Treppe auf der Terrassenbalustrade aufgestellt. Im November 2019 wurden in einer Kooperation mit der Technischen Hochschule Köln durch Studierende des Studiengangs Restaurierung alle Figuren mittels 3D-Scan vermessen. Das hierbei eingesetzte Verfahren ermöglicht eine berührungslose Vermessung, schützt die sensiblen Oberflächen somit vor Belastungen und beugt weiteren Beschädigungen der wertvollen Originale vor.

Für die Denkmalpflege ergeben sich aus diesem Verfahren weitere Möglichkeiten und Vorteile, die über das hier verfolgte Ziel der Erstellung von Kopien hinausgehen. Die hohe Messgenauigkeit von unter 0,1 mm ermöglicht eine sehr präzise Erfassung und Dokumentation der Skulpturen und ihres Zustandes. Die Modelle können im virtuellen Raum frei betrachtet werden und erweitern somit die Möglichkeiten der Fotografie durch neue Perspektiven auf die dreidimensionalen Bildwerke. Des Weiteren helfen die 3D-Modelle dabei, die Formensprache des Bildhauers zu verstehen und die Möglichkeiten zur Fertigung von Rekonstruktionen der an den Skulpturen verlorenen Originalelemente zu studieren und deren Ausgestaltung zu diskutieren. Die 3D-Scans tragen somit dazu bei, das Projekt zur Herstellung von Kopien zu unterstützen und die Wiederaufstellung von Stellvertretern, die der Formensprache der Originalen möglichst nahe kommen, zu realisieren.

Niklas Underwood