17. Tatort Altbau: Umnutzung von Wirtschaftsgebäuden

Diesem Thema widmete sich der Tatort Altbau am 10. April 2019, wie immer in bewährter Zusammenarbeit zwischen der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, dem Weiterbildungszentrum der Handwerkskammer Koblenz und der Landesdenkmalpflege vorbereitet.

In einem überwiegend ländlich geprägten Bundesland wie Rheinland-Pfalz stellt die Umnutzung von Wirtschaftsgebäuden für die Denkmalpflege ein ebenso alltägliches wie heikles Thema dar. Der Strukturwandel innerhalb der Landwirtschaft und der unaufhaltsame Rückgang bäuerlicher Betriebe entfremden viele Gehöfte ihrer traditionellen Aufgabe, die bestehenden Bauten sind für moderne Lagerhaltung und Fahrzeuge selten geeignet. Scheunen und Viehställe stehen leer und werden zur Belastung, wenn erste bauliche Schäden oder Verfall einsetzen. Nicht immer bietet sich ein als „Kuhkapelle“ aufwendig gewölbter Stall zum Ausbau als schmucke Vinothek oder Bauernladen an. Der Umbau einer Scheune zum Wohngebäude ist meist mit massiven Eingriffen in die Substanz verbunden und lässt im Erscheinungsbild den früheren Zweck kaum mehr erahnen. Auf diese Weise verlieren die Dörfer zunehmend ihr überliefertes Gesicht.

Der 17. Tatort Altbau, wie immer in bewährter Zusammenarbeit zwischen der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, dem Weiterbildungszentrum der Handwerkskammer Koblenz und der Landesdenkmalpflege vorbereitet, widmete sich am 10. April 2019 diesem Thema. Das Weingut-Restaurant GUT LEBEN am Morstein in Westhofen (Kreis Alzey-Worms) bot als Veranstaltungsort mit seinen weitläufigen, jüngst ausgebauten Nebengebäuden selbst ersten Gesprächsstoff für die zahlreichen Teilnehmer.
Grundlage für jeden sensiblen, am Bestand orientierten Ausbau einer landwirtschaftlichen Hofanlage ist das Wissen um die ursprüngliche Bestimmung der einzelnen Gebäude und ihre funktionalen Zusammenhänge. Dieter Krienke M. A. (Landesdenkmalpflege) machte aus Sicht der denkmalpflegerischen Inventarisation auf die Gemeinsamkeiten, aber auch auf die regionalen und individuellen Unterschiede innerhalb der im Lande verbreiteten Hofformen aufmerksam. Diese Eigenheiten trotz notwendiger Veränderungen zu bewahren ist eine Herausforderung sowohl im Interesse der Denkmalpflege wie auch der Baukultur. Wie schwierig, aber auch reizvoll sich diese Aufgabe im konkreten Fall darstellt, klang an im Vortrag von Dr. Alexandra Fink (Landesdenkmalpflege). Insbesondere die großvolumigen Scheunen sperren sich mit ihren mächtigen Dächern und kleinen Öffnungen gegen typisierte Umnutzungsmodelle. Das Problem der Belichtung der ausgesprochen tiefen Räume sorgte für anhaltende Diskussionen, etwa hinsichtlich der Bevorzugung traditioneller, zugleich untypischer Gauben oder einer die Gebäudekubatur berücksichtigenden, doch verfremdenden Flächenverglasung. Mitunter kann durch die Konzentration der Öffnungen auf einer Seite die bevorzugte Hauptansicht entlastet werden. Anstelle standardisierter Vorgaben wird man dabei jedoch stets die individuelle Situation zu berücksichtigen haben. Dies zeigte sich auch am Beispiel der ebenso praxisnahen wie gelungenen Neunutzung eines denkmalgeschützten Gehöftes in Bettingen in der Eifel (Eifelkreis Bitburg-Prüm), die von Architekt Helmut Fink vorgestellt wurde und mehrfach Auszeichnungen erhalten hat.

Welche Probleme beim Ausbau von Wirtschaftsgebäuden rechtzeitig bedacht werden müssen, machte der Vortrag von Dipl.-Geologe Martin Sauder (Saarbrücken) handgreiflich: Die Salzbelastung durchfeuchteten Mauerwerks besonders in ehemaligen Viehställen gehört zu den „klassischen Schadensbildern“ bei vielen Sanierungsmaßnahmen. Hierbei sind nicht nur Art und Ursache der Salzbildung zu berücksichtigen, sondern auch deren Zusammensetzung. Darüber hinaus können schädliche Salze in Kombination mit manchen modernen Baumaterialien wie Beton oder Zement regelrechte Sprengwirkung für Mauerwerk und Putz entwickeln. Die Aufwendungen für eine Voruntersuchung, Schadensanalyse und Konzepterstellung können dazu beitragen, manchen Ärger und auch Folgekosten einzusparen.

Georg Peter Karn