Das MFRP-Projekt im Rahmen des neuen Konzepts

Mit dieser Ausgabe des Numismatischen Nachrichtenblattes beginnt die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) gemeinsam mit der Liebenstein-Gesellschaft die Veröffentlichung von bisher unpublizierten Münzfunden aus Rheinland-Pfalz (MFRP).

Es ist eine Premiere, auf die wir lange hingearbeitet haben. Fortan werden an dieser Stelle dem interessierten Laien und den Fachkreisen Schatz- und auch Einzelfunde aus unserem besonders fundreichen Bundesland im Südwesten Deutschlands vorgestellt. Die Gestaltung der Beiträge trägt dabei dem Format des NNB Rechnung, d.h. es handelt sich im Wesentlichen um Fundmeldungen mit einer kompakten wissenschaftlichen Würdigung und Abbildungen.

Die GDKE vereint als obere Landesbehörde sechs Direktionen unter einem Dach. Zu ihr zählen neben der Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer die Direktionen Landesmuseum Mainz, Rheinisches Landesmuseum Trier und Landesmuseum Koblenz, die Landesdenkmalpflege und die Landesarchäologie. Letztere ist in Rheinland-Pfalz dezentral organisiert. Unter der Leitung des Landesarchäologen betreiben vier Außenstellen in Koblenz, Trier, Mainz und Speyer die Erforschung, Sicherung und Vermittlung
archäologischer Denkmäler und Quellen im Rheinland, dem Trierer Land, Rheinhessen und der Pfalz. Hierzu gehören Grabungen und Fundbergungen, Forschung, Prospektion, Erfassung, Schutz und Erhaltung archäologischer Kulturdenkmäler sowie eben auch die Münzfundpflege, in der wir neue Wege beschreiten wollen.

Die Genese unseres ungewöhnlich erscheinenden Projekts findet ihren Ursprung in einer sich seit Jahren anbahnenden Entwicklung. In Folge von abweichenden Schwerpunktsetzungen und durch immer schmalere staatliche Kassen ist bundesweit die Zahl der Numismatiker rückläufig. Diese Situation hat zuweilen zur weitgehenden Einstellung der Münzfundpflege geführt. Die herausragende Bedeutung der Numismatik als historische Hilfswissenschaft erfordert es aber zwingend, sich diesen neuen Rahmenbedingungen zu stellen.

Das Land Rheinland-Pfalz war daher stets entschlossen, für eine nachhaltige Münzfundpflege auch neue und innovative Lösungen zu suchen. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe hat daher mit der Liebenstein-Gesellschaft (LG) eine Rahmenvereinbarung
getroffen, die eine Kooperation zur Münzfundpflege in Rheinland-Pfalz regelt. Nach der Übereinkunft ist sie fortan u.a. für die Bestimmung, Sicherung, Registrierung und Publikation von Münzfunden zuständig. Wir profitieren dabei von einer außergewöhnlich günstigen Situation in unserem Bundesland, in dem sich eine Anzahl von Fachwissenschaftlern in der LG vereint haben, um sich ehrenamtlich der numismatischen Forschung zu widmen. Die Liebenstein-Gesellschaft wird bei den ihr zugewiesenen Aufgaben von einem wissenschaftlichen Beirat aus Historikern, Archäologen und Kunsthistorikern unterstützt, dem auch renommierte Numismatiker wie etwa Dr. Konrad Schneider oder auch Dr. Karl Weisenstein angehören. Der Geschäftsführer der Liebenstein-Gesellschaft, Dr. Ralf Fischer zu Cramburg, vertritt das Land Rheinland-Pfalz zudem in der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (NK).

Neben ihrem rein wissenschaftlichen Zweck ist es auch Ziel dieser Reihe, bei Entdeckern von Münzfunden die Zusammenarbeit mit den offiziellen Stellen zu stärken sowie gleichzeitig auch der in der Regel unbegründeten Furcht vor Entzug der Stücke entgegenzuwirken. Zwar besteht auch in Rheinland-Pfalz ein Schatzregal, das bei Funden von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung oder bei Funden in Schutzgebieten Anwendung finden kann. Während es generell eine sinnvolle Regelung zur Sicherung
unseres kulturellen Erbes darstellt, wird es bei Münzen jedoch nur in Ausnahmefällen angewendet. Wenn die im Denkmalschutzgesetz von Rheinland-Pfalz geforderten Verhaltensregeln bei der Entdeckung von Funden erfüllt sind (Meldung bei den zuständigen Stellen, Erhaltung der Fundstelle im unveränderten Zustand sowie Registrierung und Dokumentation der Funde etc.), sind wir stets bemüht, eine für beide Seiten vorteilhafte Lösung zu finden, was auch regelmäßig gelingt. In diesem Zusammenhang wird derzeit auch eine landesweit gültige neue Regelung für Suchgenehmigungen erarbeitet. Mit dieser soll vor allem die Zusammenarbeit zwischen Findern, Ehrenamtlichen und den vor Ort zuständigen Facharchäologen gefördert und ausgebaut werden.

Die im Rahmen der Münzfundpflege publizierten Einzelmünzen und Münzschatzfunde sind sämtlich bei der GDKE registriert und werden nach Erscheinen im NNB auch in die Kooperative Erschließung und Nutzung der Objektdaten von Münzsammlungen (KENOM) eingespeist. Sie stehen somit umfänglich für weiterführende Forschungen zur Verfügung. Wir verzichten bei beiden Publikationen auf die Veröffentlichung von detaillierteren Angaben zum Zeitpunkt, Ort und Umständen der Entdeckung. Dies geschieht, um ungenehmigte Raubgrabungen auszuschließen und Vorgaben des Datenschutzes zu erfüllen.

Mein Dank gilt abschließend dem Vizepräsidenten der Deutschen Numismatischen Gesellschaft und Chefredakteur dieser Zeitschrift, Dr. Rainer Albert, der unser MFRP-Projekt von Beginn an unterstützt und gefördert hat. Besonders verbunden bin ich den Mitgliedern und Beiräten der Liebenstein-Gesellschaft, die das Land Rheinland-Pfalz selbstlos und ehrenamtlich bei seinen Aufgaben unterstützen.

Den Lesern des NNB wünsche ich eine spannende Lektüre zu neuen Funden aus Rheinland-Pfalz.

Dr. Dr. Axel von Berg
Landesarchäologe Rheinland-Pfalz
Generaldirektion Kulturelles Erbe