Der Alte Friedhof in Pirmasens

Im Rahmen einer mehrjährigen Maßnahme wurden die wertvollen Grabmäler vor dem Verfall gerettet.

Der Alte Friedhof wurde 1763 im Südosten der gerade erst mit Stadtrechten versehenen Stadt Pirmasens angelegt. Er sollte allen drei Konfessionen dienen, der lutherischen, der reformierten und der katholischen. Im Norden in Richtung der heutigen Ottostraße kam 1878 eine Abteilung für jüdische Grabstätten dazu.

Der Alte Friedhof – als Unterscheidung zum 1924 eröffneten Waldfriedhof östlich der Stadt – ist mitsamt der erhaltenen historischen Grabdenkmäler, seiner Umfassungsmauer und der gärtnerischen Anlage nach rheinland-pfälzischem Denkmalschutzgesetz eine Denkmalzone. Im Westteil ist er überwiegend mit geometrischer Wegeführung, im Ostteil landschaftlich gestaltet. Die rund 150 historischen Grabdenkmäler sind von nennenswerter bildhauerischer Qualität und dabei von hoher stadtgeschichtlicher Bedeutung, was auch das Kunstdenkmälerinventar der Stadt Pirmasens von 1957 würdigt. In den 1970er Jahren begann die Umwidmung des Friedhofs zum Park, in dessen Folge alle Grüfte und ein großer Teil der Grabsteine abgeräumt wurden.

Beispielhaft und zur Nachahmung geeignet ist nun die Finanzierung und Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen. Denn zunächst wurden Bestandaufnahmen und Maßnahmenempfehlungen – durch den Arbeitskreis Alter Friedhof und durch das Büro Stella Junker Gartendenkmalpflege und Freiraumplanung – für die 100 wichtigsten Grabdenkmäler erarbeitet. Die Arbeiten wurden jedoch nicht ausgeschrieben, sondern durch einen Steinmetzmeister im Rahmen einer zweijährigen Anstellung (2019/2020) durchgeführt. Nach Verlängerung sollen sie in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Stelle wurde durch Zuwendungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Direktion Landesdenkmalpflege und weiterer Stiftungen finanziert.

Exemplarisch seien hier die Maßnahmen an zwei Grabdenkmälern vorgestellt: In die Stützwand C im Nordwesten des Geländes, die parallel zur Ottostraße verläuft, ist die Grabplatte für Ida und Otto Werningk (†1881 und †1902) und für Wilhelm und Charlotte Münch (†1881 und †1894) eingelassen. Die beiden Schrifttafeln im Stile der Neurenaissance aus weißem Marmor sind eingelegt in einen geohrten Rahmen aus hellem feinen Sandstein mit Weinrankendekor. In den vier Ecken sind vollplastische Blüten aus Keramik angebracht. Hier wurden Schmutzkrusten und Erdanhaftungen sowie biogene Anhaftungen händisch mit der Bürste gereinigt und die zum Teil herausgefallenen Bruchstücke der Schrifttafeln neu zusammengefügt.

Nicht weit davon, im Grabfeld 3, wurde das stattliche Grabmal der Familie Mansmann, entstanden im frühen 20. Jahrhundert, neu aufgestellt. Der Tempelwand mit sternenbesetztem Dreiecksgiebel aus hellgrauem Kalkstein ist eine gruftartige Nische mit dem Hochrelief einer Pietà vorgelegt. Hier war viel zu tun: Erneut wurden die Oberflächen von Schmutzkrusten, Erdanhaftungen und biogenen Anhaftungen per Handarbeit befreit, zudem wurde ein neues Fundament hergestellt, das Grabmal mit Verdübelungen der Einzelteile aufgerichtet, verrostete Eisenteilfragmente gelöst und entfernt, die entstandenen Löcher mit Steinergänzungsmittel geschlossen, Friese, Kanten, Vertiefungen mit geeigneten Werkzeugen steinmetzmäßig nachbearbeitet, der mittlere Teil der Schriftplatte mit dem Familiennamen in Kapitalis-Buchstaben unter der Figurennische wurde ergänzt und die Rückseite des Grabmals neu verputzt.

Dr. Ulrike Weber
Praktische Denkmalpflege